150 Jahre TÜV – Ein Rückblick

Die Geschichte einer starken Marke

Der Unternehmenszweck und Satzungsauftrag des TÜV Saarland bestand darin, „Mensch, Umwelt und Sachgüter vor den nachteiligen Auswirkungen der Technik zu bewahren“.

Dies gilt heute unverändert fort, wenngleich sich die Technik über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat und die Gefahren heutiger technischer Systeme nicht mehr ausschließlich mit denen aus der Gründungszeit des TÜV vergleichbar sind.

Die Veränderung der Industrielandschaft und das sich wandelnde Verbraucherverhalten, haben die TÜV-Organisationen seit ihrer Gründung schon immer vor verschiedene Herausforderungen gestellt. Informationstechnologie, Internet und vernetzte Industriesysteme erfordern heute ein ganz anderes Expertenwissen, als noch vor 20 Jahren. Der TÜV hat sich den veränderten Anforderungen stets gestellt und ist heute, wie seit 150 Jahren, DER unabhängige Experte in allen Fragen zur Sicherheit komplexer Produktions-, Organisations- und Informationssysteme.

Das früher geltende Regionalprinzip ist infolge der Deregulierung und Liberalisierung auf nahezu allen Arbeitsgebieten aufgehoben worden. Die TÜV-Unternehmen agieren heute als Wirtschaftsunternehmen eigenständig am Markt und konkurrieren miteinander. Die Internationalisierung von Beschaffung, Produktion und Vertrieb hat auch die Internationalisierung der Technischen Überwachungsvereine vorangetrieben. Der TÜV als deutsche Erfindung, ist heute in zahlreichen Ländern der Welt vertreten und erbringt dort, wie auch im Heimatmarkt Deutschland, seine umfangreichen Dienstleistungen stets professionell und unabhängig unter Wahrung seiner Neutralität und Integrität.

Von der Dampfmaschine zur Industrie 4.0

Mit zunehmender Anzahl und Leistungsfähigkeit der Dampfmaschinen in der Zeit der Industrialisierung hatte es immer mehr Unfälle gegeben. Nach der Explosion des Kessels in der Mannheimer Aktienbrauerei im Januar 1865 verfolgte man dort die Idee, die Kessel auf freiwilliger Basis regelmäßiger Kontrollen zu unterziehen, wie das damals bereits in Großbritannien der Fall war. 20 badische Kesselbesitzer schlossen sich den Plänen an und gründeten schließlich am 6. Januar 1866 in den Räumen der Mannheimer Börse die Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln. Es war der erste Revisionsverein auf dem europäischen Festland. Andere deutsche Bundesstaaten und Regionen folgten diesem Beispiel.

Diese unabhängigen regionalen Überwachungsorganisationen in Form von Vereinen waren bei der Unfallverhütung so erfolgreich, dass ab 1871 die Mitgliedschaft in einem solchen Verein von der Inspektion durch einen staatlichen Inspektor befreite. Weil sie so erfolgreich bei der Unfallverhütung waren, wurden sie später auch mit Sicherheitsprüfungen auf anderen technischen Gebieten, unter anderem bei der wiederkehrenden Prüfung von Kraftfahrzeugen sowie bei der Führerscheinprüfung beauftragt.

1871

Gründung des „Pfälzischen Dampfkessel-Revisionsvereins“ am 6. 8.1871 in Kaiserslautern. Unter den Dampfkesselbesitzern, die als Gründungsmitglieder „aktenkundig“ sind, ist auch die Vopelius’sche Glashütte in Sulzbach/Saar. 1873 gehören bereits sieben Firmen aus Saarbrücken mit 15 Dampfkesseln dem Verein an, der sich in kurzer Zeit über den Bereich der bayerischen Pfalz und das Industriegebiet an der Saar hinaus bis in den preußischen Regierungsbezirk Trier ausdehnt. Dort wird seine Sachverständigentätigkeit rasch durch die preußische Regierung anerkannt.

1873

Der königlich preußische Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten verfügt, „dass Dampfkessel, deren Besitzer dem Dampfkessel-Revisions-Verein für die Pfalz in Kaiserslautern als ordentliche Mitglieder angehören, von der periodischen amtlichen Untersuchung befreit bleiben“. Warum? Der Verein hatte als Selbsthilfeorganisation der Dampfkesselbetreiber die Sicherheit der Kessel in die eigenen Hände genommen. Er stellte Fachleute (Ingenieure) zur regelmäßigen Kesselprüfung ein und entwickelte die Grundzüge eines systematischen Überwachungsregelwerkes.

1899

Die Dampfkesselbesitzer des Regierungsbezirkes Trier, die bis dahin Mitglieder des Pfälzischen Dampfkessel-Revisions-Vereins waren, gründen den „Saarbrücker Dampfkessel-Überwachungs-Verein für den Regierungsbezirk Trier mit Sitz in Saarbrücken“.

1900

Auch nach der formellen Verlegung des Vereinssitzes in die Hauptstadt des Regierungsbezirkes Trier bleibt die Hauptgeschäftsstelle in Saarbrücken und der Löwenanteil der Vereinsarbeit im Saarland, denn dort befindet sich das Industrierevier. Mit dem Aufkommen neuer überwachungsbedürftiger Anlagen kommen neue Arbeitsgebiete auf den Verein zu: zunächst „die Vornahme technischer Prüfungen und die Erstattung technischer Gutachten an die Mitglieder auf deren Auftrag“.

1905

Satzungsänderung des TÜV zur Ausdehnung der Vereinstätigkeit auf Aufzüge, Kraftfahrzeuge, Gefäße für verdichtete und verflüssigte Gase, Mineralwasserapparate, Acetylenanlagen und Elektrizitätsanlagen“. Seit 1906 nimmt der Verein Prüfungen von „Kraftfahrzeugen und  Kraftfahrzeugführern“ im Saarland vor.

1921

Als Konsequenz aus dem Versailler Vertrag werden die im Saargebiet liegenden Teile der Dampfkessel-ÜberwachungsVereine mit Sitz in Trier bzw. Kaiserslautern im „Dampfkessel-ÜberwachungsVerein für das Saargebiet“ mit Sitz in Saarbrücken vereinigt. Obwohl das Saargebiet 1919 bis 1934 politisch vom übrigen Deutschland abgetrennt ist, werden während dieser Zeit für überwachungsbedürftige Anlagen die gleichen Vorschriften wie im „Reich“ angewandt.

1935

Nach dem Anschluss des Saargebiets an Deutschland tritt die Saargruben AG dem Verein bei, mit dem Ergebnis, dass ein Großteil der überwachungsbedürftigen Anlagen der Saargruben-Betriebe in die Vereinsüberwachung übergeht.

Im Zuge einer Neuregelung des Überwachungswesens im Deutschen Reich verlieren mehr als die Hälfte der damals 37 Dampfkesselüberwachungs-Vereine ihre Eigenständigkeit. Der Dampfkesselüberwachungs-Verein für das Saargebiet wird dem Überwachungsbezirk Frankfurt als Dienststelle angegliedert.

1938

Im Zuge einer Neuregelung des Überwachungswesens im Deutschen Reich verlieren mehr als die Hälfte der damals 37 Dampfkesselüberwachungs-Vereine ihre Eigenständigkeit. Der Dampfkesselüberwachungs-Verein für das Saargebiet wird dem Überwachungsbezirk Frankfurt als Dienststelle angegliedert.

1939

Reichseinheitlich wird die Bezeichnung „Technische Überwachungs-Vereine“ (TÜV) eingeführt.

1945

Die Verbindung zwischen der Dienststelle Saarbrücken und der Hauptstelle in Frankfurt wird gelöst und die vorhandene Überwachungsorganisation mit einem zunächst – entsprechend den politischen Verhältnissen nach dem Krieg – unklaren rechtlichen Status im Interesse der Sicherheitsaufgaben pragmatisch weitergeführt.

1949

Der Verein erhält die Bezeichnung „Technische Überwachung für das Saarland e.V. Saarbrücken“.

1951

Namensänderung in „Technischer Überwachungs-Verein Saarbrücken“.

1961

Erneute Namensänderung in „Technischer Überwachungs-Verein Saarland e.V.“

1989

Liberalisierung im Kraftfahrwesen: Organisationen freiberuflicher Kfz-Sachverständiger werden zur Durchführung von Hauptuntersuchungen und für die Eintragung bestimmter Fahrzeugänderungen (ab 1994) zugelassen.

 

1992

Liberalisierung der Anlagenüberwachung: Durch eine novellierte „Verordnung über die Organisation der technischen Überwachung überwachungsbedürftiger Anlagen“ hebt das Saarland als erstes Bundesland das TÜV Prüfmonopol auf seinem seit 1871 angestammten Arbeitsgebiet auf und lässt weitere Überwachungsorganisationen zu.

1998

Der TÜV Saarland e.V. gründet zusammen mit der SGS Deutschland ein Joint-Venture Unternehmen, die SGS-TÜV Saar GmbH, mit Hauptsitz in Sulzbach / Saar und vier weiteren Standorten. Unter dem Dach der Gesellschaft wurden die Kompetenzen im Industriegeschäft zusammengeführt und Expertenwissen gebündelt.

1999

Spatenstich zum Neubau am Standort Sulzbach / Saar. Das neue Verwaltungsgebäude beheimatet den TÜV Saarland e.V, die TÜV Saarland Stiftung und die TÜV Saarland Holding GmbH. In Sulzbach werden zentrale Funktionen für die gesamte TÜV Saarland Gruppe bereitgestellt. Darüber hinaus findet die TÜV Saarland Bildung und Consulting GmbH mit ihrem breiten Seminar- und Schulungsangebot dort ideale Voraussetzungen und moderne Schulungsräume.

2000

Im Jahre 2000 wurde vom TÜV Saarland und seiner Holding die gemeinnützige TÜV Saarland Stiftung gegründet. Die Stiftung unterstützt die Forschung und Lehre im Bereich der Sicherheitstechnik und artverwandter Fachgebiete.

2005

Gemeinsam mit dem Partner TÜV Rheinland können alle Technischen Prüfstellen (TP) und der Mobile Dienst unter dem Joint-Venture Unternehmen „TÜV Saarland Automobil GmbH“ den hohen technischen Ansprüchen an die Fahrzeuguntersuchung nachhaltig gerecht werden. Zu den Kernleistungen gehören die Haupt- und Abgasuntersuchung sowie Änderungsabnahmen.

2008

Die Unternehmen VECTOR Technische Unternehmensberatung und SECTOR Cert werden Teil der TÜV Saarland Gruppe. Die Unternehmen bieten Personal und dessen Ausbildung und Zertifizierung für zerstörungsfreie Prüfverfahren in den Stufen 1, 2 und 3. Beide Unternehmen sind international tätig.

2012

Die TÜV Saarland Holding übernimmt die Mehrheit an der Inviso Service GmbH und bietet Dienstleistungen im Bereich der Immobilienbewertung, unter anderem für Banken, Versicherungen und Privatpersonen, an. Das Unternehmen firmiert fortan als TÜV Saarland Immobilienbewertung GmbH mit Sitz in Saarbrücken. Mit innovativen Softwarelösungen werden Bewertungsprozesse in den Workflow der Auftraggeber integriert und liefern dadurch die Ergebnisse zeitnah und kundengerecht.

2013

Die TÜV Saarland Holding übernimmt die Mehrheit der Geschäftsanteile der SG Qualitätssicherungs GmbH in Castrop-Rauxel. Das Unternehmen ist spezialisiert auf zerstörungsfreie Prüfverfahren.

2014

Die TÜV Saarland Holding gründet gemeinsam mit einem türkischen Partner die Gesellschaft TÜV Saar Kalite Kontrol Muayene ve Belgelendirme mit Sitz in Istanbul. Schwerpunkt sind Dienstleistungen im Bereich zerstörungsfreier Prüfverfahren.

2015

Die TÜV Saarland Holding erwirbt die 100% Mehrheit an der tekit Consult Bonn GmbH (tüv.tekit). Die tüv.tekit ist ein Spezialunternehmen, dass sich den Themen IT-Sicherheit und Datenschutz widmet. Neben technischen Prüfungen und Audits stellt das Unternehmen insbesondere auch Datenschutzbeauftragte für eine Vielzahl von Unternehmen. Die tüv.tekit hat neben dem Hauptsitz in Bonn eine Niederlassung in Berlin.

2016

Die TÜV Saarland Certification GmbH wird gegründet. Schwerpunkt der Tätigkeit sind Zertifizierungsleistungen in den Bereichen Automotive (IATF 16949, VDA, KBA) und IT-Sicherheit (ISO 27001).

2018

Die TÜV Saarland Certification GmbH gründet als erstes Unternehmen der TÜV Saarland Gruppe ein eigenes Tochterunternehmen in der Volksrepublik China. Der Firmensitz ist Shanghai.

Heute

Heute ist der TÜV Saarland, neben dem TÜV Thüringen, der einzige konzernunabhängige TÜV in Deutschland. Der TÜV Saarland ist eine eigenständige Unternehmensgruppe spezialisierter technischer Dienstleister, die in den Geschäftsfeldern Prüfung und Gutachten, Beratung, berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Zertifizierung, an mehreren Standorten in Deutschland und international, tätig sind.

Unter Wahrung der Werte Sicherheit, Integrität und Neutralität entwickeln die Gesellschaften des TÜV Saarland innovative Konzepte, die schnell, qualitativ hochwertig und kundenorientiert umgesetzt werden.

Hierbei unterstützt der TÜV Saarland durch seine effiziente Organisationsstruktur die Entwicklung der Gruppe sowie die Individualität der einzelnen Unternehmen.

Der TÜV Saarland ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber, der sich mit qualifizierten und engagierten Mitarbeitern weiterentwickelt.

Textnachweise: Wikipedia, Bildnachweis „Knallexplosion“: Wikipedia